Biosphärenreservate

"Wie kann in einer konkreten Landschaft nachhaltige Entwicklung gelingen, wie kann man dort Naturschutz und Wirtschaft zusammenbringen? Wie kann man das Wissen über erfolgreiche Ansätze weltweit teilen?"

Biosphärenreservate weltweit auf einen Blick:

Anzahl UNESCO-Biosphärenreservate: 701

Anzahl Staaten: 124

Anzahl grenzüberschreitender Biosphärenreservate: 20

Gesamtfläche: > 10 Mio. Quadratkilometer; 2 % der Erdoberfläche

Bevölkerungsanzahl in Biosphärenreservaten: > 200 Mio.; 2 – 3 % der Weltbevölkerung

Biosphärenreservate sind von der UNESCO ins Leben gerufene Modellregionen, in denen eine nachhaltige Entwicklung beispielhaft verwirklicht werden soll. Dabei erfüllen Biosphärenreservate  verschiedene ökologische, ökonomische und soziale Aufgaben: Sie fördern nachhaltigere Wirtschaftsweisen, Naturschutz, Forschung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sowie internationale Kooperationen. Es geht hierbei also nicht um Naturschutz allein, sondern der Fokus liegt auf den Menschen und ihren nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsformen. Der natürliche, kulturelle und wirtschaftliche Wert besonderer Naturräume wird so erhalten und erhöht.

 Räumlich sind die Biosphärenreservate in drei Zonen eingeteilt: Die Kernzone dient dem langfristigen Naturschutz, die besiedelte Entwicklungszone der sozioökonomischen Entwicklung. Das verbindende Element bildet die Pflegezone, welche einen fließenden Übergang der Zonen ermöglicht und eine schonende, naturnahe Landnutzung, z.B. durch Öko-Tourismus ermöglicht.

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Warum eigentlich BiosphärenRESERVAT?

Mit dem Begriff „Reservat“ assoziieren die meisten etwas negatives, sie verbinden mit ihm die Zwangszuweisung begrenzter Gebiete für indigene Minderheiten, wie es sie z.B. in Nordamerika gibt. Im Englischen steht „reserve“ jedoch für ein zu schützendes Gebiet, wobei die Reservate für indigene Völker „reservation“ genannt werden. Die Bezeichnung Biosphärenreservat wurde tatsächlich also etwas unglücklich aus dem Englischen übersetzt. Obwohl der Begriff den Vorbild- und Modellcharakter dieser Regionen nicht repräsentiert, wird er heute noch verwendet. Grund dafür ist seine weite Verbreitung, sowohl im (Projekt-) Alltag als auch in den meisten Landesnaturschutzgesetzen.

  

Biosphärenreservate in Deutschland

In Deutschland gibt es 16 UNESCO-Biosphärenreservate, die etwa drei Prozent der Gesamtfläche Deutschlands (ausgenommen der Meeresflächen) ausmachen. Diese Kulturlandschaften mit besonderer Bedeutung für die biologische Vielfalt erstrecken sich vom Berchtesgadener Land in Südbayern bis zum Wattenmeer in Schleswig-Holstein. Sie sind Modellregionen nachhaltiger Entwicklung und beliebte Naherholungsgebiete. Allein durch den Tourismus generieren die deutschen Biosphärenreservate hohe Einnahmen. Darüber hinaus weisen sie den höchsten Anteil an Bio-Landwirtschaft und wirtschaftlicher Vernetzung von lokalen Betrieben auf. Im internationalen Vergleich nehmen deutsche Biosphärenreservate eine Vorreiterrolle ein.

 

 

Abbildung 2: Biosphärenreservate in Deutschland (© Bundesamt für Naturschutz (BfN), 2018 nach Angaben der Länder, Geobasisdaten: © GeoBasis-DE / BKG, 2015)

Die Modellregion

Das Untersuchungsgebiet des transdisziplinären Forschungsprojektes sind zwei in der Metropolregion Hamburg gelegenen UNESCO-Biosphärenreservate und deren Umgebung. Hierbei handelt es sich um die Teile des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe, die in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen (Elbtalaue) gelegen sind, als auch um das Biosphärenreservat Schaalsee, welches ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern zu finden ist.  

Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe  

Die Flusslandschaft Elbe ist seit 1997 von UNESCO als internationales Biosphärenreservat anerkannt und seither mit einer Fläche von circa 2.822 km2 in Deutschland das Größte seiner Art. Es besteht insgesamt aus vier Reservaten in verschiedenen Bundesländern: Mittelelbe Sachsen-Anhalt, Elbe-Brandenburg, Elbe Mecklenburg-Vorpommern und die Niedersächsische Elbtalaue. Im Bereich der unteren Mittelelbe zwischen Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt konnte sich die Flusslandschaft überwiegend naturnah entwickeln und wurde somit zu einer für Mitteleuropa einmaligen Natur- und Kulturlandschaft. Die Landschaft ist durch die letzte Eiszeit geprägt. Das Biosphärenreservat repräsentiert vielfältige Lebensräume im Flusslauf, Altwasser, Auengrünland, Laub- und Mischwälder, sowie Überschwemmungsflächen, Binnendünen, Wiesenlandschaften, Sandufer, Moore, Brackwasser und weitere Gewässer. Die unterschiedlichen Landschaften bieten wichtige Habitate für Tiergesellschaften. Für den Artenschutz sind beispielsweise der Biber, Fischotter, die Rotbauchunke, Wasservögel sowie wandernde Fischarten von großer Bedeutung. In beiden Biosphärenreservaten lassen sich außerdem über 1300 Pflanzenarten finden, wovon circa 400 zu den bedrohten und gefährdeten Blüten- und Farnpflanzen gehören. Vielfältige Lebensräume der Pflanzengesellschaften stellen beispielsweise Wechselfeuchte, Grünland- sowie Trockenstandorte dar. Eine Übersicht der gesamten Tier- und Pflanzenarten ist hier zu finden. Insgesamt leben 270.000 Bewohner*innen im UNESCO Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Die beiden Biosphärenreservate Flusslandschaft Elbe und Schaalsee werden über den Biosphärenverband Elbe-Schaalsee verbunden und beziehen sich auf die Region zwischen beiden Biosphärenreservaten – entlang der ehemaligen Grenze innerhalb Deutschlands.  

Biosphärenreservat Schaalsee  

Das Biosphärenreservat Schaalsee liegt in Mecklenburg-Vorpommern. Es grenzt im Westen an Schleswig-Holstein an, sodass die Biosphärenreservats- und Bundeslandgrenze direkt durch den Schaalsee verläuft. Bis 1989 lag der See während der deutschen Teilung im Grenzgebiet, weshalb sich die Natur hier überwiegend ungestört entwickeln konnte und daraus die große Artenvielfalt der Flora und Fauna erhalten blieb. Seit 1998 wurde der Schaalsee und das umliegende Gebiet als Biosphärenreservat ausgewiesen und im Januar 2000 in den internationalen Verband der UNESCO-Biosphärenreservate aufgenommen. Das Biosphärenreservat hat eine Gesamtfläche von 310 km2, wobei der Schaalsee eine Fläche von 24 km2 und Tiefe von 72 m aufweist. Die Natur ist auch hier durch die letzte Eiszeit geprägt. In der Kulturlandschaft lassen sich vielfältige Naturräume finden: in naturnahe Buchen- und Bruchwälder, Seen und Kleingewässer, Feuchtwiesen, Moore sowie auf Weideflächen und Äckern lassen rund 4000 Tier- und Pflanzenarten entdecken. So leben beispielsweise an und in den Seen und Fließgewässern circa 30 Fischarten, Fischotter, Amphibien sowie Vögel, wie der Seeadler oder Kraniche. Das Biosphärenreservat bietet weiterhin für zahlreiche Spinnen- und Insektenarten, Fledermäuse, Kleinsäugetiere, Mollusken und stark gefährdete Nachtfalterarten einen geschützten Lebensraum. Die Flora ist ebenso besonders und artenreich: Es lassen sich selten gewordene und gefährdete Pflanzenarten, wie das Rauhe Hornblatt, das Knabenkraut oder die gelbe Sumpfschwertlilie finden. Insgesamt liegen 18 Naturschutzgebiete im Biosphärenreservat. 

foto Schaalsee Wasser und Steg

Schaalsee

Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue (o. D.). Website. [Zugriff: 07.08.2020].

Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Mecklenburg-Vorpommern (o. D.). Website.   [Zugriff am 13.07.2020].   

Biosphärenreservat Schaalsee (o. D.). Website. [Zugriff am 13.07.2020]. 

Deutscher Rat für Landespflege. (2010). Biosphärenreservate sind mehr als Schutzgebiete–Wege in eine nachhaltige Zukunft . Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege, 83, 5-85. 

Deutsche UNESCO-Kommission Biosphärenreservate. (o. D.). Kultur und Natur. Biosphärenreservate. [Zugriff: 11.07.2020].

Deutsche UNESCO-Kommission Biosphärenreservate. (o. D.). Kultur und Natur. Biosphärenreservate in  weltweit. [Zugriff: 11.07.2020].

Deutsche UNESCO-Kommission Biosphärenreservate. (o. D.). Kultur und Natur. Das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ in Deutschland. [Zugriff: 11.07.2020].

Deutsche UNESCO-Kommission (o. D.). UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. Nachhaltige Entwicklung an wilden Ufern. [Zugriff am 13.07.2020]. 

Deutsche UNESCO-Kommission (o. D.). UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee. Ruheplatz für Reisevögel.  [Zugriff am 13.07.2020]. 

Förderverein Biosphäre Schaalsee e. B. (o. D.). Website. [Zugriff am 13.07.2020]. 

UNESCO. (1996) Biosphere reserves. The Seville Strategy and the Statutory Framework of the World Network. Paris. 

 

Abbildung:

Bundesamt für Naturschutz (BfN). (2018) Biosphärenreservate in Deutschland. Nach Angaben der Länder, Geobasisdaten: GeoBasis-DE / BKG, 2015.