Hier Leben

Unter dem Oberthema „Hier Leben“ mit den Unterthemen Wohnen , Kultur & Sport, Bildung, Naherholung  und Ernährung liefert dieser Bereich eine Übersicht zu den Potenziale in der untersuchten Region, zu den Begegnungsräumen und Good-Practice-Beispielen, mit der übergeordneten Fragestellung:

Wie wollen wir hier leben?

Bei der Frage danach, wie ein gutes Leben in der Stadt und auf dem Land gelingen kann, stößt man schnell auf die Frage nach einer gelungenen Ortskernentwicklung. Hier ist u. a. die Initiative Dörfer im Aufbruch zu nennen, die sich schon mit einem Wandel in verschiedenen Dörfern, auseinandersetzt und Online-Kurse für interessierte NachahmerInnen anbietet. Zusätzlich ist insbesondere die Frage nach der Siedlungsqualität bei der Suche nach einem Ansatz für eine nachhaltige und sinnvolle Ortskernentwicklung interessant und relevant.

„Eine Siedlung hat dann Qualität, wenn die gestellten Anforderungen – in diesem Fall an eine bestimmte Siedlung – erfüllt werden. ‚Qualität‘ ist das Erfüllen von gestellten Anforderungen“Indikatoren für die Siedlungsqualität . Eine gesicherte Grundversorgung trägt zur Siedlungsqualität bei. Zu dieser Grundversorgung zählen u. a. nahgelegene Einkaufsmöglichkeiten, Krankenhäuser, Ärzt*innen, Schulen und Kirchen. Die Nahversorgung mit Einkaufsmöglichkeiten ist allerdings nicht immer gegeben, denn der Trend geht zu weniger und größeren Einkaufsmöglichkeiten, die dann allerdings nicht immer fußläufig erreichbar sind. Im ländlichen Raum könnte gegebenenfalls der Online-Handel dazu beitragen könnte, den Anforderungen einer älter werdenden Bevölkerung gerecht zu werden. Allerdings „kann der Onlinehandel für Konsumenten und Anbieter auch zu Verschärfungen räumlicher Disparitäten führen“ . Zu einer Verschärfung regionaler Disparitäten und zu einer Beschleunigung des demografischen Wandels trägt auch der Wegzug junger Menschen bei. In besonderer Weise sind von diesem Trend periphere Regionen mit wenigen Bewohner*innen betroffen, in denen z. B. die Kosten pro Kopf für die Daseinsvorsorge langfristig immer weiter steigen. Eine zunehmend überalternde Gesellschaft ist auch in der Region Elbtalaue (Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue 2014) und im Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg (für die Gemeinde Amt Neuhaus), 2016) zu erwarten. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird die Zahl der Menschen über 75 bis 2025 Prognosen nach zurückgehen und erst danach wieder steigen (Landkreis Ludwigslust-Parchim, 2016), ebenso sieht die Lage in der Schaalseeregion aus (Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion, 2015).

Die Versorgung mit Krankenhäusern bzw. einem Krankenhaus ist insbesondere in Städten in Deutschland leicht zu gewährleisten, auf dem Land hingegen ist es den Krankenhäusern oft nicht (mehr) möglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Daraus ergibt sich die Frage nach regionalen Ungleichheiten und ob Menschen auf dem Land in diesem Aspekt systematisch benachteiligt werden. Die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland ist in den letzten Jahren erheblich gesunken und fällt ein Krankenhaus aus, weil es schließen muss, so werden die Entfernungen zu den nächsten Krankenhäusern oft unzumutbar groß. Insbesondere Menschen, die sowieso schon eingeschränkt sind, z. B. durch ihr Alter, werden durch die Distanzen vor ein nur schwer lösbares Problem gestellt – etwa wenn sie ihre Ehepartner, die im Krankenhaus sind, besuchen wollen. Um diesem Trend, der u. a. bei der Gesundheitsversorgung beobachtbar ist, entgegenzuwirken, müssen Lösungen für die Zukunft in allen Lebensbereichen gefunden werden. Auch bei der Anbindung an den ÖPNV zeichnet sich in der Region Elbtalaue (Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue, 2014), im Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg (für die Gemeinde Amt Neuhaus), 2016), im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim, 2016) und in der Schaalseeregion (Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion, 2015) ein deutlicher Nachholbedarf ab, der in den nächsten Jahren behoben werden sollte, um die Regionen für alle Altersgruppen attraktiv zu halten und nachhaltig zu agieren.

Die Anforderungen, die Bürgerinnen und Bürger an ihren Wohnort und die gesamte Region stellen, können z. B. in partizipatorischen Workshops zusammen mit der lokalen Bevölkerung herausgefiltert und festgehalten werden, sodass im Idealfall alle von den Veränderungen betroffenen Personen ein Mitspracherecht hatten. Um die Interessen junger Menschen vertreten zu können, bietet sich die Einrichtung spezieller partizipatorischer Verfahren (Link zu Theorie Partizipation in unserem Wiki), wie etwa Kinder- und Jugendparlamenten (Link zu Kinder- und Jugendparlamente unter Partizipation) an. In Osnabrück ergaben sich in einem Kreativ-Workshop mit der Bevölkerung Leitfragen, die hier nachgelesen werden können und auch für andere Kommunen relevant sind. Konkret stellte sich die Frage danach, welche Geschäfte überleben werden, wie das Zentrum erreichbar ist und welche AkteurInnen bei der Ortskernentwicklung helfen können. All diese Fragen stellen sich so oder so ähnlich in vielen Regionen und können daher als Fragenkatalog für einen lebendigen Ortskern und dessen Entwicklung in Zukunft angesehen werden. Insbesondere in Zeiten von Corona, in denen 50.000 Handelsstandorte deutschlandweit von der Schließung bedroht sind, scheint dieses Thema aktueller denn je zu sein. Doch darüber hinaus stellt sich auch die Frage danach, welche Potenziale es in der untersuchten Region schon gibt, wo Begegnungsräume sind und welche Good-Practice-Beispiele zum Vorbild genommen werden können.

Amt für Raumentwicklung Graubünden (2005). Siedlungsgestaltung. (zuletzt abgerufen am 04.08.2020).

Fleßa, S. und Gieseler, V. (2016). Die Rolle der Krankenhäuser im ländlichen Raum. In: Daseinsvorsorge und Gemeinwesen im ländlichen Raum. Hg. von Michael Herbst, Frieder Dünkel und Benjamin Stahl. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 43-60.

Kokorsch, M. und Küpper, P. (2019). Trends der Nahversorgung in ländlichen Räumen. Thünen Working Paper 126. Braunschweig: Thünen-Institut für Ländliche Räume.

Landkreis Ludwigslust-Parchim (Auftraggeber). DSK Deutsche Stadt- & Grundstücks- entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG und WIMES Wirtschaftsinstitut (Auftragnehmer) (2016). Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Parchim: Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Landkreis Lüneburg (für die Gemeinde Amt Neuhaus) (Auftraggeber). KoRiS – Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung, regecon – Gesellschaft für regionalwirtschaftliche Forschung und Beratung, in Zusammenarbeit mit Northern Institute of Thinking (Auftragnehmer) (2016). Potenzialanalyse und Entwicklungskonzept für die Gemeinde Amt Neuhaus. Lüneburg: Landkreis Lüneburg.

Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue (Auftraggeber). Niedersächsische Landgesellschaft (Auftragnehmer) (2014). Regionales Entwicklungskonzept Elbtalaue. Dannenberg (Elbe): Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue.

Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion (2015). Strategie für lokale Entwicklung – Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion. Zarrentin: Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion.

Ried, W. (2016). Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum: Ziele und Indikatoren. In: Daseinsvorsorge und Gemeinwesen im ländlichen Raum. Hg. von Michael Herbst, Frieder Dünkel und Benjamin Stahl. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 1-24.

Tagesschau (2020). Handel bittet um mehr Corona-Disziplin. (zuletzt abgerufen am 04.08.2020).