Ernährung

Das Thema Ernährung ist mit dem Themenfeld Nachhaltigkeit so eng verknüpft wie kaum ein anderes. Darum ist es auch von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der Biosphärenreservate in der Modellregion und damit auch für alle Menschen, die Hier leben und Hier arbeiten. Dieser Wiki-Artikel gibt einen allgemeinen Überblick über die Bezüge zwischen den Themen Ernährung und Nachhaltigkeit sowie Informationen zu bestehenden Initiativen und Projekten in der Modellregion.

Hintergrund

Landwirtschaftliche Produktion dominiert große Teile der weltweiten Landnutzung. Viele Entwicklungen in der landwirtschaftlichen Landnutzung haben dazu geführt, dass deutlich weniger Arbeitszeit benötigt wird, um eine bestimmte Menge von Lebensmitteln zu produzieren. Gleichzeitig hatten diese Entwicklungen viele Nebeneffekte, die drastische ökologische und soziale Auswirkungen mit sich brachten und in direktem Zusammenhang zu vielen der 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen stehen (Garnett, 2013; Von Koerber, 2014).
Beispiele dafür sind etwa auf der Produktionsseite hohe Stickstoffeinträge in Böden und Grundwasser, Rückgang der Biodiversität durch den flächendeckenden Einsatz von Schädlungsbekämpfungsmitteln (SDG 15: Leben an Land), sowie Treibhausgasemissionen durch übermäßiges Düngen (SDG 13: Klimaschutz und -anpassung). Auch auf der sozialen Ebene sind große Veränderungen erfolgt, wenn etwa wenige Konzerne einen Großteil der globalen Lebensmittelproduktion kontrollieren und viele Landwirte Ihre Existenzgrundlage verlieren oder in große Abhängigkeit geraten, weil sie Landflächen nicht mehr selbst besitzen und Saatgut großer Konzerne nicht selbst vermehren können (SDG 1: Keine Armut, SDG 10: Weniger Ungleichheiten).

Auf der Seite der Konsument*innen gibt es ebenfalls eine große Schnittmenge der Themen Ernährung und Nachhaltigkeit. Eine der größten sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist es, trotz einer stetig steigenden Weltbevölkerung Ernährungssicherheit für alle Menschen sicherzustellen und zu erhalten (SDG 2: Kein Hunger). In ökologischer Hinsicht haben Konsumentscheidungen für regionale, saisonale und Bio-Lebensmittel viele positive Auswirkungen. Regionale Wertschöpfungsketten sind dabei nicht nur aus ökologischer Sicht erstrebenswert, sondern erhalten Traditionen, sichern Existenzen, schaffen Arbeitsplätze vor Ort und ermöglichen vielen Menschen einen selbstbestimmten Arbeitsalltag (SDG 8: Gute Arbeit, SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden, SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion). Zu guter Letzt trägt eine gesunde Ernährung wesentlich zur Gesundheit und damit dem individuellen Wohlbefinden bei – einem weiteren wichtigen Nachhaltigkeitsziel (SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen).

Es sind also viele Aspekte von Nachhaltigkeit, die beim Thema Ernährung aufeinandertreffen und große Auswirkungen haben. In den Biosphärenreservaten der Modellregion gibt es bereits viele Projekte und Initiativen, die sich für die Themen Ernährung und Nachhaltigkeit einsetzen und zu einem positiven Wandel der gesellschaftlichen Strukturen beitragen möchten.

Good Practice Beispiele in der Region

Projekt Netzwerk „Natur-Ernährung-Lebensqualität in der Biosphärenreservatsregion Schaalsee“

In der Schaalsee-Region gibt es seit 2016 das Projekt Netzwerk „Natur-Ernährung-Lebensqualität in der Biosphärenreservatsregion Schaalsee“. Das Netzwerk ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Akteur*innen aus dem UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee. Der Förderverein Biosphäre Schaalsee e.V. hat eine Personalstelle für die Netzwerkkoordination (besetzt durch Verena Burkhardt) geschaffen, die zunächst für den Zeitraum 2016–2019 angesetzt war, in der Zwischenzeit aber bis 2021 verlängert wurde. Gefördert wird das Projekt durch Mittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) bereitgestellt werden. Das Netzwerk verfolgt das Ziel der stärkeren Vernetzung von regionalen Lebensmittelproduzent*innen und Abnehmer*innen sowie der Schaffung von Vertriebsstrukturen für ökologisch hergestellte Produkte zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf eine ökologische Produktion gelegt, die Biodiversität und eine nachhaltige Landnutzung fördert. Außerdem werden Strukturen geschaffen, die landwirtschaftliche Produktion mit nachhaltigen Tourismusangeboten verbinden und auf diese Weise wirtschaftliche Synergieeffekte kreieren und zur Attraktivität der Region beitragen.

Verschiedene Maßnahmen sind während der Projektlaufzeit bereits umgesetzt worden: Zu Beginn des Projektes stand die Durchführung und Auswertung einer Befragung der Landwirte in der Region. Auf Basis der Ergebnisse wurden aus der Projektarbeit heraus verschiedene Angebote und Veranstaltungen initiiert. So wurde u.a. ein Einkaufsführer „Regional Einkaufen in der Schaalseeregion“ mit einer Übersicht über 17 Verkaufsstellen regionaler Produkte erarbeitet und vertrieben. Außerdem wurde 2018 die Arbeitsgruppe „Nachhaltige Landwirtschaft” gegründet, in der verschiedenste Akteur*innen der Region (Landwirte, Verwaltung, Politik, Bevölkerung) gemeinsam an dem Ziel arbeiten, die bestehenden landwirtschaftlichen Strukturen nachhaltiger zu gestalten. Die Arbeitsgruppe wird von der Netzwerkkoordinatorin begleitet, wodurch auch ein enger Austausch mit dem Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe gewährleistet ist.

Partnerprojekte der Biosphärenreservate

Viele Betriebe und Initiativen, die sich in der Region im Ernährungsbereich auf Nachhaltigkeit ausrichten, sind offizielle Partner der Biosphärenreservate. Eine solche Partnerstruktur gibt es nicht nur in der Modellregion Schaalsee/Elbe, sondern bundesweit in den Nationalparks, Biosphärenreservaten und Naturparks, organisiert über den „Dachverband Nationale Naturlandschaften“. Die Auswahl von Partnerbetrieben erfolgt dabei unter Berücksichtigung einheitlicher Qualitäts- und Umweltstandards durch einen unabhängigen Vergaberat und wird jährlich überprüft. Je nach Schutzgebiet sind die jeweiligen Regionalpartner unterschiedlichen Kategorien zugeordnet.

Inhaltlich handelt es sich bei den Partnerprojekten beispielsweise um Archehöfe, auf denen alte, gefährdete Haustierrassen wieder gezüchtet werden, Gastronomieeinrichtungen, die Wert auf regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel legen sowie Betriebe, die diese Lebensmittel umweltfreundlich herstellen und dabei landwirtschaftliche Traditionen und biologische Vielfalt erhalten.

Beim Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe sind Partnerbetriebe rund um das Thema Ernährung u.a. den Kategorien „Gastronomie“, „Fischerei“, „Handel“, „Landwirtschaft“ und „Lebensmittelverarbeitung“ zugeordnet. Eine Übersicht über alle Partnerbetriebe inklusive einer interaktiven Karte und ausführlichen Steckbriefen findet sich auf der Webseite des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe.

Das Biosphärenreservat Schaalsee verfolgt mit seinem Regionalmarkenpartner-Netzwerk einen ähnlichen Ansatz. Auch hier sind in der Kategorie „Genuss und Kultur“ zahlreiche Projekte mit Ernährungsbezug mit dem Biosphärenreservat Schaalsee verbunden. Weitere Informationen zu den einzelnen Projekten (inklusive Steckbriefe) sind auf der Webseite des Biosphärenreservats Schaalsee zu finden.

Interaktive Karte

Eine große Zahl ernährungsbezogener Projekte in der Modellregion (inklusive der Partnerprojekte) ist auch gebündelt in der interaktiven Karte des Wikis eingetragen, die ein guter Ausgangspunkt für weitere themen- oder regionsbezogene Recherchen ist.

Zusammenfassung

Das Thema Ernährung ist von zentraler Bedeutung für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Es gibt bereits eine große Zahl von Initiativen und Projekten, die sich für nachhaltige Ernährungsstrukturen in der Region einsetzen.

Amt für Raumentwicklung Graubünden (2005). Siedlungsgestaltung.  (zuletzt abgerufen am 04.08.2020).

Fleßa, S. und Gieseler, V. (2016). Die Rolle der Krankenhäuser im ländlichen Raum. In: Daseinsvorsorge und Gemeinwesen im ländlichen Raum. Hg. von Michael Herbst, Frieder Dünkel und Benjamin Stahl. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 43-60.

Kokorsch, M. und Küpper, P. (2019). Trends der Nahversorgung in ländlichen Räumen. Thünen Working Paper 126. Braunschweig: Thünen-Institut für Ländliche Räume.

Landkreis Ludwigslust-Parchim (Auftraggeber). DSK Deutsche Stadt- & Grundstücks- entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG und WIMES Wirtschaftsinstitut (Auftragnehmer) (2016). Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Parchim: Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Landkreis Lüneburg (für die Gemeinde Amt Neuhaus) (Auftraggeber). KoRiS – Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung, regecon – Gesellschaft für regionalwirtschaftliche Forschung und Beratung, in Zusammenarbeit mit Northern Institute of Thinking (Auftragnehmer) (2016). Potenzialanalyse und Entwicklungskonzept für die Gemeinde Amt Neuhaus. Lüneburg: Landkreis Lüneburg.

Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue (Auftraggeber). Niedersächsische Landgesellschaft (Auftragnehmer) (2014). Regionales Entwicklungskonzept Elbtalaue. Dannenberg (Elbe): Leader-Geschäftsstelle der Region Elbtalaue.

Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion (2015). Strategie für lokale Entwicklung – Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion. Zarrentin: Lokale Arbeitsgruppe „Mecklenburger Schaalseeregion – Biosphärenreservatsregion.

Ried, W. (2016). Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum: Ziele und Indikatoren. In: Daseinsvorsorge und Gemeinwesen im ländlichen Raum. Hg. von Michael Herbst, Frieder Dünkel und Benjamin Stahl. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 1-24.

Tagesschau (2020). Handel bittet um mehr Corona-Disziplin. Online unter  (zuletzt abgerufen am 04.08.2020).